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Adressable TV

Lesezeit: 2 Minuten

Addressable TV: Der schläfrige Riese wachte auf. Just zur WM

Die “Hydration Break” hatte weniger mit dem Wohl der Spieler zu tun als mit dem Wohlbefinden der FIFA-Bilanz.

Offiziell schützten die neuen Trinkpausen bei der WM 2026 die Spieler vor der Hitze in den USA, Mexiko und Kanada. Und ja, 35 Grad in Kansas City sind kein Spaß. Aber, let’s keep the church in the village, 624 (!) zusätzliche Werbeminuten über das gesamte Turnier sind ein bemerkenswerter Nebeneffekt. Die FIFA peilt für 2026 einen Gesamtumsatz von 8,9 Milliarden Dollar an, TV-Rechte machen 44% davon aus. Chapeau, Gianni.

In Deutschland kostet ein 30-Sekunden-Spot beim ZDF während der WM-Trinkpause rund 1.200 € pro Sekunde. Reichweite satt, aber eben auch: Streuverlust satt. Und genau hier beginnt die eigentlich spannende Geschichte.

Gleiche Pause. Andere Werbung.

Stell dir zwei Haushalte vor, die beide Deutschland gegen Spanien schauen:

  • Haushalt A: Familie mit Kindern in München-Schwabing: Sieht in der Trinkpause Werbung für einen regionalen Freizeitpark.
  • Haushalt B: Gutverdienender Single in Frankfurt-Sachsenhausen: Sieht eine Anzeige für eine Premiumuhr.

Gleiches Spiel. Gleiche Pause. Völlig andere Botschaft, aber präzise zugeschnitten, ohne Streuverlust.

Willkommen bei Addressable TV (ATV): Über HbbTV-fähige Smart-TVs können Werbetreibende Spots datenbasiert auf bestimmte Zielgruppen ausspielen. Nach Region, Haushaltsgröße, Kaufverhalten oder Interessen. Anbieter wie ProSiebenSat.1 vermarkten das Format seit über zehn Jahren. Was lange ein Nischen-Produkt für Media-Nerds war, macht heute bereits 24% des deutschen Werbemarkts (Linear und CTV kombiniert) aus.

Was Marketer daraus lernen können auch ohne ATV-Budget

Hier liegt der eigentliche Wert dieser Geschichte und er gilt für jeden Marketer, unabhängig vom Mediabudget:

Das Prinzip schlägt das Produkt. Ob Addressable TV, Social Ads oder E-Mail-Kampagne, wer dieselbe Botschaft an alle schickt, verschenkt Relevanz (und Conversion-Chancen). Die WM macht das nur besonders sichtbar, weil der Kontrast so extrem ist: Millionenreichweite trifft auf Einzelhaushalt.

Wichtigstes Take away bzw. konkret heißt das für die Praxis:

  • Segmentierung vor Schaltung: Bevor ein Budget freigegeben wird, sollte die Frage stehen, nicht „wie viele?“ sondern „welche?“ Zielgruppen.
  • Kontext schlägt Volumen: Ein regionaler Mittelständler, der zur WM lokal targetiert, holt mit 5% des Budgets eines Großsponsors mehr heraus, insbesondere wenn er den richtigen Haushalt anspricht.
  • Relevanz ist keine Frage der Budgetgröße: Das Targeting-Denken, das hinter Addressable TV steckt, ist dasselbe, das gute Kampagnen auf Meta, Google oder DOOH auszeichnet. Der Kanal ist austauschbar. Die Haltung nicht.

Fazit

Die WM 2026 war ein Brennglas und vor allem aber Innovationstreiber. Sie zeigte, wie weit klassisches TV-Massenmarketing und modernes, datengetriebenes Targeting noch auseinanderliegen. Dieses Turnier zeigte, wie groß die Chance ist, beides klug zu verbinden. Wer 1.200 € pro Sekunde für einen generischen Spot ausgibt, kauft Anwesenheit. Wer Addressable TV denkt, oder auch nur so denkt, kauft Relevanz und vielleicht im nächsten Schritt sogar Conversions.

Und Relevanz konvertiert besser als jedes Trikot-Testimonial. Das dürfte sich inzwischen herumgesprochen haben.

Die WM endete am 19. Juli. Der Riese ist wach. Die Frage ist nur, ob die Marketer schnell genug aufstehen.

 

Author: Rudy Winklhofer, Creative Director Strategy & Quality @ MATTER & LØUT

 

 

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